Ich habe für meine Ehe viel aufgegeben: mein Land, meine Sprache, meine Freunde und teilweise auch meinen Beruf. Deshalb habe ich lange gar nicht gemerkt, dass es zwischen uns nicht richtig passte, und vieles auf die «neue» Umgebung geschoben. Es hat lange gedauert, bis ich den Mut fand, mich zu trennen. Einerseits wollte ich meinen beiden damals 11- und 9-jährigen Töchtern, die sehr an ihrem Vater hingen, nicht das Elternhaus nehmen. Andererseits hielt mich mein streng katholisches Elternhaus, in dem Scheidung ein Tabu war, zurück.
Irgendwann kamen wir dann an einen Punkt, an dem wir nur noch wie « Züge auf parallelen Gleisen» nebeneinander herfuhren. Schweren Herzens traf ich die Entscheidung, mich zu trennen. Vom Gefühl her wäre ich gern in meine Heimat zurück gegangen, aber es war mir wichtig, dass meine Kinder weiterhin regelmässigen und guten Kontakt zu ihrem Vater haben konnten. Eine Entfernung von 800 km war dafür nicht ideal. Natürlich habe ich mich schuldig gefühlt und deshalb wollte ich alles dafür tun, dass wir wenigstens als Eltern noch an einem Strang zogen.
Es war nicht immer einfach, aber im Grossen und Ganzen kann ich nach über 20 Jahren sagen, wir haben es im Wesentlichen geschafft.